Hallo, mein Name ist Julia. 

 

Zeit verstehe ich als Veränderung. Ich verändere mich seit 1990. Der Ort, an dem ich damit angefangen habe, heißt Mannheim. Ich kann diesen Ort nicht besonders gut leiden und das ist schwer untertrieben. Deswegen antworte ich auf die Frage danach, woher ich komme, meistens mit Heidelberg. Ist ja auch nur ungefähr zwanzig Kilometer nach rechts unten geflunkert. Ist quasi wahr. 10 Jahre lang habe ich in Köln gelebt. Heimat. Zum Glück ist Bielefeld auch schön (wirklich!). Hier arbeite ich seit Anfang 2020 als Texterin.

 

Seit Ende 2019 kann ich offiziell alles ein bisschen, aber nichts so richtig. An der ecosign Akademie für Gestaltung habe ich mein Diplom in interdisziplinärem nachhaltigem Design gemacht. Die Rolle von Sprache in Form von Worten wird in diesem Kontext oft unterschätzt. Ich liebe Worte mindestens genau so sehr, wie ich an ihnen zweifle, und wahrscheinlich nährt sich das gegenseitig, wie so Vieles, vielleicht sogar Alles. Harmonie entsteht durch das Zusammenspiel gegensätzlicher Größen. Demnach müsste ich mich unheimlich harmonisch fühlen. Müssen fand ich allerdings schon immer schwierig*. Vielleicht bin ich aber auch einfach kein guter Dirigent.

*Als Kind war ich fest davon überzeugt, dass es schmierig heißt. Müssen fand ich schon immer schmierig.

 

Menschen heißen Menschen, weil sie keine Maschinen sind. Man könnte meinen, das sei offensichtlich und deshalb nicht nötig zu erwähnen. Dass es aber sehr wohl nötig ist, merkt man, wenn man  nur ein paar Schritte vor die Tür macht und sich umsieht, oder die Zeitung aufschlägt, oder das Internet. Nicht, dass Maschinen etwas Schlechtes wären. Viele Maschinen sind super. Schreibmaschinen, zum Beispiel. Waschmaschinen. Kaffeemaschinen vor allem. Den Menschen allerdings halte ich für ein besseres Wesen. Ich versuche das, so gut ich kann – ist das schon ein Widerspruch? – mit meiner Zauberformel: Intuition, Magie, Authentizität.

 

»Die vagen [Formen] haben eine ebenso notwendige und vollkommene Bedeutung, wie die präzisen«, sagte Magritte. Dieses Zitat lässt sich auch auf Gefühle und Empfindungen anwenden. Auch auf solche wie Unsicherheit, Angst, Zweifel, Wut, Traurigkeit, Ekel, Scham, Zwiegespaltenheit – also die, die in unserer Gesellschaft unerwünscht sind. Der Leistung wegen. Daher kommt auch die Sache mit der Verwechslung von Mensch und Maschine. Viel Wohlstand, wenig Echtheit. Grauenhafter Glückszwang. Ein unbequemes Ungleichgewicht.
Ich für meinen Teil bin dauerhaft nervös, aus Angst, mich zu blamieren. Vor lauter Nervosität glaube ich dann oft, mich wirklich blöd benommen zu haben und kann mich nicht mehr leiden. Wenn das passiert, versuche ich, mich an Folgendes zu erinnern: Nervosität kommt von ›nervositas. Das bedeutet: die Stärke einer Faser. Ich bin eine starke Faser. Hallo.

 

 

Instagram. woertelei / julia.clauss