»Das ist so sanft, so sanft, so träge.«

Heute wollte ich eigentlich mal was anderes machen als im Bett liegen und meine Prüfungsliteratur über den Ekel lesen. Aber seit Tagen bin ich ganz merkwürdig schwächlich und deswegen doch nochmal Bett und Buch. Und dann merke ich wieder, dass ich mir eigentlich um nichts Sorgen machen muss (ich mache das wohl einfach auch ziemlich gern), weil alles sowieso genauso kommt, wie es hier, in diesem Universum, kommen muss (..das liest sich jetzt so bescheuert, aber ich will mich kurz fassen und wer verstehen will, der versteht). Und heute 'musste' das so kommen, dass ich nochmal zu Hause geblieben bin, im Bett mit Buch(, zu dem ich eine gründliche Hassliebe pflege, weil schwer genial, aber aus Fremdwörtern von anderen Planeten bestehend). Ich bin jetzt, nach Auslassung zweier Theorien, die ich für meine Prüfung im Oktober sowieso nicht anwenden kann, fast am Ende (mit den Seiten und den Nerven), und da bin vielleicht auf das gestoßen, was den Kern meiner Depersonalisierungen ausmacht, oder womit meine Depersonalisierungen in erster Linie zusammenhängen, oder wie auch immer, und worauf ich selber wohl niemals gekommen wäre. Ekel, nämlich. Eine 'spezielle' (Verstehens-)Form davon jedenfalls. Und dass ich darauf gestoßen bin, und das auch noch, nachdem ich auf einer Spazierfahrt gestern Morgen den Banner auf dem Foto entdeckt habe, verstehe ich wiederum als (Doppel-)Wink, der Überlegung, Depersonalisation nach der Abschlussmappe zu meinem Diplomthema zu machen, unbedingt weitere Überlegungen folgen zu lassen, weil das gerade alles so sehr viel Sinn macht (, obwohl gar nichts Sinn macht!), und das ist so ein unfassbar feines Gefühl. Das ist Wegfinden. Das ist schön, ist das. Ganz aufgeregt bin ich. Auch wenn das natürlich gar kein (Doppel-)Wink war, und der Weg einfach der Weg ist, aber das ist doch voll egal!

 

 

Und mehr als 'schön' und völlig irre und gänsehäutig zu lesen war dieser Ausschnitt aus Sartres Ekel..:

 

»Das Ding bin ich. Die Existenz, befreit, losgelöst, fließt in mich zurück. 

Ich existiere.

Ich existiere. Das ist so sanft, so sanft, so träge. Und leicht: man könnte meinen, das hält sich von ganz allein in der Luft. Das regt sich. Das sind überall leichte Berührungen, die sich auflösen und vergehen. Ganz sanft, ganz sanft. 

In meinem Mund ist schäumendes Wasser. Ich schlucke es herunter, es gleitet durch meine Kehle, es streichelt mich – und schon ist es wieder da, bildet sich neu in meinem Mund. Ich habe für immer eine kleine, weißliche – unaufdringliche – Wasserlache im Mund, die meine Zunge umspült. Und diese Lache, das bin wiederum ich. Und die Zunge. Und die Kehle. Das bin ich. 

Ich bin es, ich bin es, der mich aus dem Nichts zieht, nach dem ich trachte: der Haß, der Ekel zu existieren, mich existieren zu machen, in die Existenz einzutauchen.«