Schlaf, los! Part 2

In genau dieser Minute existieren alle Orte, von denen ich weiß, dass es sie gibt und alle Orte, von denen ich das nicht weiß. An jedem dieser Orte befindet sich eine Gruppe von Menschen, ein Menschenpaar, ein Mensch oder kein Mensch. Diejenigen davon, die von meiner Existenz wissen, lassen sich an ein paar wenigen Händen abzählen. Trotzdem reicht das für ein ganzes Leben, reicht das, um zweifellos da zu sein.

Niemand würde Verdacht schöpfen, wenn mein zwanzig Jahre jüngeres Ich plötzlich auf der anderen Seite der Welt auftauchen würde, und für kaum jemanden würde sich etwas ändern, wenn ich in diesem Moment sterben würde. Die Welt ginge ihren gewohnten Gang. Sie hat alles fest im Griff. 

 

Aber ich sterbe nicht, noch nicht. Mein Gehirn malt weiter Bilder, mein Herz pumpt weiter Blut. Ich kann nicht auf der linken Seite liegen. Das Gefühl meines schlagenden Herzens ekelt mich. Es ist das Gefühl und der Klang, dieses dumpfen Poltern. Es weckt in mir sofort das Bild dieses sich immerzu zusammenkrampfenden Muskelfeischklumpens als kleines Lebewesen. Das muss so anstrengend sein. Ein lebenslanger Krampfanfall.

 

Dieses aufdringliche Pochen erinnert mich unentwegt daran, dass ich bin. Und dass ich bin, gruselt mich. Und jetzt: Bühne frei für das Gefühl unendlicher Verlorenheit.