Schreiben & Musik

Ich sitze weinend vor meinen vier gepackten Umzugskartons. Den ersten habe ich vor etwa drei Stunden gepackt, bei schwungvoller Nach-Vorne-Musik. „Küche“ hab ich draufgeschrieben. In diesem Karton befinden sich eindeutig Küchenutensilien. Die zweite und dritte Kiste haben das sich entwickelnde Chaos angedeutet. Bilder und Bücher, dann Bilder und Bücher und Kleinkram, der so rumlag. Es lief noch immer „Nach-Vorne-Musik“, so im Großen und Ganzen, aber ich steuerte sie ganz und gar bewusst zunehmend Richtung Melancholie. Erst waren es einzelne Tonfolgen, dann Sequenzen, und dann, zum Ende von Kiste vier hin, eindeutig Lieder, die die Richtung gewechselt haben. Nach Hinten.

Kiste vier wurde letztlich beschriftet mit: Zettel und Reis. Und das ist genau das. Ordnung schaffen wollen ist ein sinnloses Unterfangen. Ein Kampf. Alles strebt hin zum Chaos. Das eigene Sein genauso wie der Inhalt von Umzugskartons. Und dass das so ist, ist vielleicht die einzige Vorgabe, der man trauen kann. Es laufen Lieder mit Titeln wie: „Plans We Made“ und „Here, at the End of all Things“. Wie erwähnt weine ich, an meine Entropiekartons gelehnt. Ich weine von ganz tief innen her, so, wie es lange nicht mehr ging.

 

Wenn man Umzugskartons packt, öffnet man zwangsläufig eine Menge Schubladen. Auch solche, die lange ungeöffnet blieben. Darin liegen dann mitunter Bilder – als Beweis dafür, dass man mal was gehofft hat. Und was man gehofft hat war, dass man diese Umzugskartons nie würde packen und über die gestorbene Hoffnung, die verratene Sicherheit würde weinen müssen. Und Gegenstände mit derselben Funktion. Gegenstände, die alle Wellen mitgemacht haben, und damit wiederum an Gegenstände erinnern, die geplant waren. Ein geschreinertes Buch-Schrägstrich-Plattenregal – als zeitloses, überdauerndes Möbelstück und irgendwie auch als Symbol für uns: Schreiben und Musik.