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Marswissenschaften

Ich bin ganz erleichtert, dass ich mich nach so kurzer Zeit voll und ganz auf die Therapie einlassen kann. Nichts in mir sträubt sich mehr. Keine meiner schlimmen Befürchtungen hat sich bewahrheitet. Ich hatte Angst vor dem Kurs, der sich Kreative Bewegung nennt, weil das so sehr danach klang, als müsse man irgendwie komisch intuitiv rumhampeln. Ich hatte aus denselben Gründen Angst vor Zapchen – einfache, teils humorvolle oder kindliche Übungen, um im Hier und Jetzt die Stimmung oder das Wohlbefinden zu heben. Die alleinige Vorstellung hat Ablehnung und Scham und Fluchtgedanken ausgelöst. Dann wieder die Stimme in mir, dass ich mich vielleicht auch einfach mal überwinden muss ( – übrigens mit hoher Sicherheit meistens ein Gedanke, der von außen kommt). Doch beide Therapieformen – und alle anderen Einheiten auf meinem Plan – verfolgen vor allem ein Ziel: Man soll sich wohlfühlen. Muss existiert nicht. Sobald sich irgendwas unangenehm anfühlt, sobald eine Blockade spürbar wird, sobald man einfach nicht möchte ohne den Grund zu kennen, darf, soll man sogar aufhören, darf auch den Raum verlassen, jederzeit. Wenn es sich nicht gut und leicht anfühlt: sein lassen. Stattdessen was anderes oder eben gar nichts tun. Diese Freiheit gibt mir genügend Raum, um ganz gelassen in jede Stunde zu gehen, zu schauen, was kommt, und ob ich das für mich in genau diesem Moment machen möchte oder nicht. Und wenn ich es nicht machen möchte, muss ich mich weder schuldig, noch komisch, noch schlecht, noch sonderbar fühlen. Es ist einfach in Ordnung. Niemand macht einen Wirbel darum. Niemand denkt sich irgendwas dabei. Keiner findet mich komisch. Das ist eine neue Erfahrung, die unheimlich viel Last nimmt. So konnte ich heute beim Zapchen sogar eine Übung mitmachen, zu der ich, hätte sie mir jemand vorher erklärt, gesagt hätte: auf gar keinen Fall. Aber es ging, ganz leicht, einfach so, und ich musste lachen, und ich konnte bei mir sein. Und das war schön.

 

Am Ende gabs dann heute noch eine Geschichte, die die Zapchen-„Erfinderin“ geschrieben hat. Jetzt arbeite ich daran, mir einen kleinen Drachen in meiner Tasche zu halten. Zugegeben – manchmal sind da noch Hemmungen, wenn mir manches zu „kitschig“ mit Esoterik-Touch wird. Aber warum sind diese Hemmungen da? Warum komme ich mir immer noch ein bisschen merkwürdig dabei vor, diese Drachengeschichte schön zu finden, oder mir einen inneren Zaubermantel vorzustellen, der mir dabei helfen kann, in überfordernden Situationen eine innere Sicherheit zu bieten, oder einen inneren Ort zu kreieren und dabei selber ordentlich „kitschig“ zu werden, weil der sich im Wald befindet, und es da eben Elfen und Glühwürmchen und weiße Rehe gibt. Im Grunde, weil da ganz offensichtlich Vorurteile in mir wohnen. Nicht irgendwie so „eso-mäßig“ werden wollen. Das ist aber gleichzeitig eine Abwertung anderer, und das ist Mist.. Was ist falsch daran, ein bisschen Magie und Zauber ins Leben zu holen? Natürlich nichts. Es ist die Angst vor der Ablehnung, die ich selbst praktiziere.

 

Wir alle wissen, wie viel die Psyche so kann – auch im Positiven. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass es – in einem gewissen Maße – heilsam wirken kann, wenn sich beispielsweise jemand eine kleine magische Welt schafft und dann eben daran glaubt, dass der Rosenquarz unterm Kissen für besseren Schlaf sorgt und das bei diesem Menschen dann tatsächlich tut. Gerade (Ein-)Schlafen hat so unheimlich viel mit der „inneren Haltung“ zu tun. Psyche und Körper sind einfach wirklich miteinander verbunden.

Das ist schon spannend, darauf ein bisschen rumzudenken.. Und allemal lohnt es sich zu fragen: Belächle ich etwas, weil ich es wirklich seltsam finde – und worauf genau bezieht sich mein Gefühl? Oder belächle ich es, weil ich glaube, dass das irgendwie so erwartet wird, weil der Begriff – welcher es auch immer sei – generell unter Vorurteilen liegt, die ich aber genau genommen noch nie überprüft habe..? Oder belächle ich es, weil es einen Teil in mir anspricht, den ich bisher nicht zulassen wollte – sollte ich es also vielleicht besser anlächeln, um diesen Teil mal kennenzulernen? 

 

Ich erlaube mir jetzt also mehr Kitsch und färbe den Begriff für mich einfach positiv. Das machts im Innen weit gemütlicher, und, sobald verinnerlicht, vielleicht auch im Außen. Ich werde mir das Buch über Astrologie, mit dem ich schon lange liebäugle, jetzt einfach bestellen. Ich hatte tatsächlich – wie bescheuert eigentlich – Sorge, dass jemand mich belächeln könnte. Sowas glaubst du? Nein, ich weiß so gut wie nichts über Astrologie, hatte mal einen Kurs an der Uni, der war toll, aber an Einzelheiten erinnere ich mich nicht mehr. Das finde ich schade, denn irgendwas am Thema weckt große Neugier in mir. Und ist nicht letzten Endes Neugier genau das, was Wege öffnet? Wobei es erstmal völlig egal ist, ob die irgendwo hinführen. Im Grunde bin ich sicher, dass da nichts ist außer Chemie, Biologie, Physik. Aber vielleicht ist gerade das der Grund für mein inneres Sehnen nach etwas „Zauberhaftem“. Damit nicht alles so kalt und bedeutungslos bleibt.

Allein der Spaziergang mit Yuki heute.. eigentlich war der gar nicht geplant und ich war schon ziemlich geschafft. Aber es ist den ganzen Tag über schon irre nebelig und allein die Vorstellung, wie magisch der Wald erst aussehen muss wenn mich der Anblick der nebeligen Straßen schon so fasziniert hat, hat mich dann doch noch rausgelockt. Es war noch viel schöner als in meiner Vorstellung. Ein echter Märchenwald. Und so still: Bis auf meine Schritte, Yukis Knister-Tapsen auf dem gefrorenen Laub und hier und da mal gedämpfte Vogelstimmen war nichts zu hören. Zwei Stunden Ruhe und Zaubergefühl.

 

Eine weitere Angst, die ich vor der Aufnahme in die Klinik hatte: Vielleicht bin ich auch dort nicht richtig, vielleicht geht es mir „zu gut“, um dort zu sein, vielleicht bin ich nicht krank genug... Was allein schon deshalb tragisch-komisch ist, weil ich anderen Menschen, die sich fragen, ob es ihnen schlecht genug für eine Therapie geht, generell immer entgegnen würde: Wahrscheinlich könnte jeder Mensch von einer Therapie profitieren. Allein die Idee, dass eine Therapie helfen könnte, ist ein sicheres Indiz dafür, dass die Idee gut ist. Ich hatte nie Probleme damit, mich in ambulante Therapien zu begeben. Mit jemandem zu sprechen, zu dem keine emotionale Bindung besteht, der weitestgehend objektiv reagiert, und so neue Perspektiven aufzeigt, empfand ich nahezu immer als Erleichterung und Bereicherung. Sogar aus den weniger guten Therapien konnte ich letztlich irgendwas Erhellendes oder Hilfreiches mitnehmen. Als ich mir dann vor ein paar Monaten endlich eingestanden habe, dass es nicht mehr geht, dass eine intensivere Therapie hermuss, weil ich mich nur noch durch die Tage geschleppt, nur noch darauf gewartet habe, mich schnellstmöglich wieder zurückziehen zu können und in Ruhe gelassen zu werden, habe ich mich auf zwei Wartelisten setzen lassen: einmal vollstationär, einmal teilstationär. Nachdem die vollstationäre Aufnahme an einem klinikinternen Planungsfehler gescheitert ist – wofür dennoch ich mich schuldig gefühlt habe –, hat sich etwa zwei Monate später die Tagesklinik gemeldet. Ich habe sofort zugesagt – wissend, dass ich nicht mehr lange so hätte weitermachen können.

 

Meine Angst, ich könnte vielleicht auch dort nicht reinpassen, wurde jedenfalls schnell aufgelöst, denn nach einigen Einzelgesprächen und viel Fragebogen-Arbeit, haben sowohl der Einzeltherapeut als auch die betreuende Ärztin mir schon jetzt nahegelegt, es nicht bei sechs Wochen zu belassen, sondern hinsichtlich meiner ausgeprägten Symptomatik über eine Vertiefungsphase direkt im Anschluss an die sechs Wochen nachzudenken, was dort nicht automatisch so ist. Ups, ok. Das hat mich einerseits erschreckt, andererseits war ich erleichtert, wo ich mich doch die ganze letzte Zeit über von meinem Umfeld irgendwie nie richtig gesehen gefühlt habe in der Schwere meiner Probleme – weil ich mich eben auch nicht wirklich getraut habe, die Situation so krass darzustellen wie sie sich in mir angefühlt hat. Immer war da die innere Stimme, die dann doch immerzu sagte: Du stellst dich an, während dieselbe Stimme mich permanent beschimpft, abgelehnt, niedergemacht hat – ununterbrochen. Ich hielt irgendwie die Fassade aufrecht, mal mehr mal weniger gut, und hab einfach nur noch versucht, zu funktionieren, in Sachen Arbeit und im sozialen Umfeld. Geht schon irgendwie. Muss ja.

Ging aber eben nicht. Meine Arbeit verlor zunehmend an Qualität und schon ein kurzes freundschaftliches Treffen bei mir war mir zu viel, so viel, dass ich fast wieder in meine Essstörung als Stresskompensation reingerutscht wäre. So viele Tage und Nächte, in denen ich einfach nur noch apathisch dasaß, komplett überwältigt vom Knoten in meinem Kopf. Wie soll ich das jemals so erklären, dass jemand versteht, wie verzweifelt ich bin, wie hoffnungslos das alles scheint. Dann wieder Schuldgefühle dafür, dass ich mich so fühlte, wo es mir doch eigentlich an nichts mangelt. Und es mangelt auch nicht wirklich im Außen, aber im Innen herrscht absoluter Ausnahmezustand. Auf dem Weg zwischen zwei Klinikhäusern stand ein Wegweiser.. einen Begriff darauf habe ich im Vorbeigehen fälschlicherweise gelesen als Marswissenschaften. Ja. Ungefähr so. 

 

Mein Therapeut jedenfalls konnte und kann das, was in mir vorgeht, so gut greifen, dass ich richtig gemerkt habe: Der versteht – wenigstens im Ansatz – wie schlecht es mir geht und wie schwer ich es mir selbst mache, ohne damit aufhören zu können, auch weil ich manchmal glaube, dass ich das eben verdiene. Er versteht, dass und warum ich kaum noch belastbar bin. Dass ich das nicht mehr steuern kann. Dass ich permanent unter Eigen-Beschuss stehe. Dass ich mir keines Gedankens, keines Gefühls in mir sicher sein kann. Dass, egal, was in mir vorgeht, mein Kopf sofort in Frage stellt, und das Hinterfragte wieder in Frage stellt, und wieder, und wieder. „Da wird man ja irre!“, sagte er. Ja, da wird man irre. Und auch das eine große Angst: wirklich durchzuknallen, wenn nicht bald Hilfe kommt.

 

Was da in mir so ausgeprägt ist, nennt man wohl Innerer Kritiker, den quasi jeder Mensch hat und der auch hilfreich sein kann. Bei mir aber hat er die absolute Alleinherrschaft. Und er hat nicht die Absicht zu diskutieren oder Interesse daran, von etwas anderem überzeugt zu werden. Er will nur verunsichern, in Frage stellen – alles was ich bin (außen wie innen), mache, sage, denke, fühle. Er quält ohne Pause. Und dann sind meine Flüchte, meine impulsiven Ausbrüche, meine für andere nicht mehr nachvollziehbaren Verhaltensweisen nur noch eine logische Folge aus diesem inneren, andauernden Krieg gegen mich selbst. Beim kleinsten Anlass hochkochen, oder jeden kleinen Strang, der eine Kopfpause verspricht, ergreifen und darin baden, egal was danach ist – und dass es danach meistens umso schlimmer ist, vor allem wenn dabei andere Menschen verletzt werden, kann ich in diesen Momenten nicht sehen. Damit klarzukommen, mir gar verzeihen können, ist nicht einfach, Letzteres vielleicht gar nicht möglich. Aber ein Ziel ist, den inneren Kritiker zu erkennen, bevor er in Fahrt kommt, und einen realistischeren Blick auf mich zu bekommen, ein bisschen mehr zu mir zu finden, so etwas mehr zur Ruhe zu kommen und dann auch Gefühle besser regulieren zu können.

 

Im Moment kann ich auf Wie gehts? – würde ich ehrlich sein – nur antworten können mit: Ich weiß es nicht. Denn sobald ich denke gut oder schlecht, schlägt mein innerer Kritiker mir das Gegenteil samt Gründen vor, macht mir Vorwürfe, hinterfragt. Und bei der Antwort gut schlägt obendrein die Angst zu, dass ich auch noch die letzte Option, Zuwendung zu generieren, verliere. Auch das möchte ich ändern. Ich möchte das, was mich quält, nicht mehr instrumentalisieren, um es letztlich noch größer zu machen. Ich möchte nicht mit der Depression verschmelzen.

Selbst die Antwort ich weiß nicht stimmt letzten Endes nie ganz, denn mindestens ein Empfinden könnte ich vermutlich immer identifizieren und irgendwie zum Ausdruck bringen. Das allerdings würde dann wiederum hinterfragt. Und immer so weiter. Aktuell ist der Glaube daran, dass ich mir nur der Depression sicher sein kann, noch so groß, dass ich manchmal fast Angst habe, ihr das Zepter aus der Hand zu nehmen. Vielleicht ist es ja viel zu schwer für mich? Vielleicht ist da nicht genug Stabilität in mir, um es halten zu können. Die Depression ist immer da, ist kräftig, von sich selbst überzeugt, zuverlässig, allzeit bereit. Das weiß ich. Alles andere ist vage. Ich weiß nicht, was für ein Mensch ich bin. Mein Kopf sagt: ein schlechter.

Ich weiß nur, was für ein Mensch ich gerne wäre. Und das ist ja irgendwie auch was. Jedenfalls ein Punkt, an dem ich ansetzen kann. Werte definieren, und versuchen, das eigene Denken und Handeln danach auszurichten, statt Impulsen und dem Versprechen zeitnaher, dafür aber nicht nachhaltiger Erleichterung nachzugehen.  

 

Eine Sorge hat sich allerdings doch bewahrheitet. Schon immer habe ich Probleme mit zwischenmenschlichen Beziehungen. Ich hatte nie einen großen Freundeskreis, und auch „einzelne“ Freundschaften gingen immer wieder kaputt – ohne, dass mich das groß berührt hat, was mir auch ziemlich unangenehm ist.. Ich weiß, warum das so ist, das möchte ich aber (noch) nicht preisgeben. Ich hatte mir ein bisschen gewünscht, dass ich in der Klinik Anschluss finden würde. Aber selbst hier will es mir nicht gelingen. Meine Gruppe besteht aus – mich eingerechnet – sechs Personen. Aber ich bin einfach zu unbeholfen. Jeder Kontaktaufnahme-Versuch fühlt sich nicht authentisch an, und im Anschluss hagelt es wieder innere Kritik, wie peinlich und dumm ich war. Lass es einfach sein. Verstärkend kommt dazu, dass ich nur selten mit der Gruppe zu Mittag essen kann, weil ich mittags oft kurz nach Hause fahren muss, um mit Yuki Gassi zu gehen, was an sich auch schon ziemlich anstrengend ist. Aber das muss eben. Außerdem rauchen alle außer mir. Das sorgt automatisch für eine Art Grenze. Der Versuch mich dazuzustellen hat einfach nur eine für alle spürbar seltsame Situation geschaffen, weil ich nichts gesagt habe, weil ich nicht wusste was, und alle anderen wussten offenbar auch nicht, wie sie mich ins Gespräch integrieren sollen, und danach bekam ich den ganzen Tag den Rauchgeruch nicht mehr aus meiner Maske. Plus Corona-Angst. Denn das für mich schlimmste, was jetzt passieren könnte, wäre wegen einer Infektion auszuscheiden.

 

Trotzdem ist es so, dass ich hier weniger stark das Gefühl habe, einmal mehr „die Komische“ zu sein, sondern eher den Eindruck, dass es okay ist, dass ich es noch nicht so richtig schaffe, dazuzugehören. Dass mich niemand abstempelt. Auch wenn mein Kopf natürlich versucht, mich zu überzeugen von: Die finden dich bestimmt arrogant, die finden dich bestimmt seltsam, die mögen dich nicht, siehste, bist eben ein Kackmensch, mit dem keiner was am Hut haben will, nicht mal hier. Ich weiß, dass das Projektionen sind. An machen Tagen schaffe ich es trotzdem nicht, das leise zu drehen. Das ist dann aber auch okay.. das darf jetzt eben einfach alles. Das hat hier seinen Platz. Und das Gute ist ja, dass ich an Ort und Stelle damit arbeiten kann. Sowohl in der Einzel- als auch in Gruppentherapien. So konnte ich auch genau diese Gedanken mit der Gruppe teilen, und hab ganz liebes Feedback bekommen. Natürlich haben alle bestätigt, dass sie das auch so empfinden, dass ich noch nicht so richtig integriert bin. Das lässt sich auch nicht wegdiskutieren, soll auch nicht wegdiskutiert werden, es wird nämlich generell viel zu viel wegdiskutiert auf der Welt, statt es einfach „sein“ zu lassen, anzuschauen, und anders „anzufassen“.  

Gleichzeitig haben mir alle gesagt, dass niemand irgendwas Negatives oder Komisches denkt, und mir positive Rückmeldung dazu gegeben, dass ich das offen angesprochen habe. Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass sich die Problematik innerhalb von ein paar Wochen in Wohlgefallen auflöst. Dafür sitzt sie zu tief. Ich wünsche mir nur, besser mit diesem extremen Impuls, mich ständig, sobald es geht, abzukapseln und wieder ins Alleinsein zu fliehen, umgehen zu können, ihn besser durchdringen zu können. Der Grund, den ich bereits kenne, scheint mir selbst dafür irgendwie nicht groß genug. Vielleicht ist das aber auch ein Irrtum.. Vielleicht muss ichs machen wie Domian und regelmäßig ein paar Wochen fernab anderer Menschen in Lappland einfach nur schweigen. Vielleicht hab ich danach genug Energie, um bis zur nächsten Schweigeeinheit sozial funktionstüchtig zu sein und nicht mehr nur Druck und Angst zu empfinden, sondern das wirklich Bereichernde daran zu entdecken, das man dann auch nicht mehr gehen lassen möchte. Bislang kenne ich das nur aus partnerschaftlichen Beziehungen – und dann direkt wieder zu sehr – bis ich alles erneut mit 400 gegen die Wand fahre, weil meine Synapsen durchknallen, um das mal so flach zu sagen. 

 

Ich bin gespannt auf alles, was mich auf meinem Weg in der Klinik noch erwartet. Übrigens hatte ich mich sogar noch getraut, meine Enttäuschung anzusprechen, dass ich keine Kunsttherapie habe, weil ich ja glaube, dass mir das sehr dabei helfen könnte, Blockaden zu lösen. Leider lässt sich das nicht ändern, aber mir wurde erklärt, dass das nicht nach irgendwelchen mich betreffenden Kriterien so entschieden wurde, sondern einfach nach Gruppen aufgeteilt ist und ich eben in die Gruppe gekommen bin, in der gerade ein Platz frei wurde (, was ja gut ist und wofür ich dankbar bin!). Vor Corona konnte jeder zwischen verschiedenen Therapieformen frei wählen. Jetzt gibt es feste Gruppen, damit, falls es mal einen positiven Corona-Fall gibt, nicht direkt die gesamte Klinik in Quarantäne muss. Nach Weihnachten habe ich aber endlich meine Aromatherapie-Stunde – für mich als absoluter Duftmensch auch super spannend und etwas, worauf ich mich freue. Und noch ein zweites übrigens: Ich hab tatsächlich das Duftöl gefunden, von dem ich geschrieben hatte… das mich so sehr an meine Kindheit erinnert. Einfach indem ich „Duftöl goldenes Etikett“ gesucht habe. Wird bald bestellt :)