fjørt – couleur

In seinem Buch »Anatomy of Disgust« bezeichnet William Ian Miller den Ekel als eine Art sechsten Sinn, der eigenständig Untugenden erkennt. Wir befinden uns damit im Feld des moralischen Ekelgefühls. Dieser moralische Ekel (gegenüber diskriminierenden Verhaltensweisen jeglicher Art) dürfte ein Motiv der Band Fjørt gewesen sein, ihr Album Couleur zu schreiben. Um den Versuch, dem geistigen Tod des Menschen – in Anlehnung an die Verwesung als Kern allen Ekels – entgegenzuwirken, zu unterstützen, habe ich das Plattencover des Albums »Couleur« im Rahmen meiner Abschlussmappe neu gestaltet. In Bezugnahme auf die Textinhalte ist meine Wahl für die Bildwelt auf die (deutsche) Kartoffel gefallen. Dass sie schimmelt, kann auf zweierlei Weisen gedeutet werden: zum einen als Verbildlichung moralischer Verkommenheit. Zum anderen als, nach Aurel Kolnai, »widriges Leben am falschen Ort«, wodurch zwar Ekel erregt wird, was allerdings auch bedeutet, dass dort eine Art neues Leben entsteht – im übertragenen Sinne also die Chance zur Veränderung. Bei den Bildern handelt es sich um Makro-Aufnahmen. Dadurch nehme ich Bezug auf die Beziehung zwischen Ekel und Nähe. Ein Ekelhaftes will man nicht in seiner Nähe haben, man will es nicht sehen, sich nicht damit auseinandersetzen. Doch genau hier setzen einige Theorien zur Überwindung des Ekels an. Die hergestellte Nähe zum Ekel nimmt Bezug auf die unbequemen Wahrheiten in den Texten, mit denen es sich ebenfalls auseinanderzusetzen gilt. Die Farbigkeit des Schimmels greift zudem die wörtliche Übersetzung von Couleur, »Farbe«, auf. Um die Bildwelt in ihrer Wirkung nicht zu unterbrechen und ein harmonisches Ganzes zu erhalten, ist die Schrift transparent gesetzt. Dieses Element findet sich als Gestaltungselement bei der transparenten Platte selbst wieder, sowie beim Download-Code, der sich auf der Rückseite eines transparenten Stickers befindet. 

Das Projekt ist im Rahmen meiner Abschlussmappe zum Thema Ekel enstanden.