Wie schmücke ich mein Bäumchen?

»Wie schmücke ich mein Bäumchen?« So lautet eine von vielen Fragen, die Peter Fischli und David Weiss in ihrem Buch »Findet mich das Glück?« stellen.

Viele von uns neigen dazu, ihr Bäumchen so zu schmücken, dass seine Vergänglichkeit nicht mehr allzu deutlich erkennbar ist, denn die ist schließlich ziemlich angsteinflößend. So behängen wir es fortwährend mit Statussymbolen jeglicher Art. Schön funkeln soll es, und möglichst lückenlos gefüllt sein – darf es doch neben all den anderen Bäumchen nicht untergehen. Veralteter Schmuck wird regelmäßig entfernt und die frei gewordene Stelle mit doppelt so viel neuem ausgebessert. Bäumchenoptimierung im Wettlauf mit der Zeit. 

Grundsätzlich ist gegen ein wenig Schmuck auch gar nichts einzuwenden – solange dabei das Wesentliche nicht in Vergessenheit gerät: das Bäumchen zu pflegen. Befriedige ich seine Grundbedürfnis angemessen? Kann es sich entfalten? Ist es gesund? Mag ich mein Bäumchen so wie es ist? Auch ohne Schmuck? Ist mein Bäumchen vielleicht schon ganz  erschlagen von all dem Behang? Kann ich es überhaupt noch als mein eigenes erkennen? Passt mein Bäumchen zu mir? Für wen schmücke ich es eigentlich? Für mich selbst oder für andere? Wie viel und welchen Schmuck braucht es wirklich?

Diese letzte Frage ist vor allem in Anbetracht dessen einen Gedanken wert, dass einige von uns irgendwann in die Situation kommen werden, in der nur ein Bruchteil von dem, was sich im Laufe eines Lebens angesammelt hat, behalten werden kann.

Ich durfte Menschen besuchen, die diese Station ihres Lebens bereits durchlaufen haben, und mit ihnen darüber gesprochen, wie es ist, aus einem selbstständig geführtem Leben heraus in ein Seniorenheim zu ziehen und dabei den größten Teil der eigenen Besitztümer zurücklassen zu müssen. Ein Sein losgelöst vom Haben. 

Entstanden ist ein Buch, in dem sich Bilder und Gesprächsfragmente ohne direkten Zusammenhang abwechseln, und das persönliche Fazit: 

Es ist nicht der Schmuck, der unsere Bäumchen funkeln lässt.

Einblick ins Buch:

Es ist außerdem ein Text mit Bezug zu diesem Projekt entstanden: Vom Kleinreden und Zurückfühlen